Goldene Regel 1

Du sollst dein Projekt perfekt vorbereiten

Die Goldene Regel 1 „Du sollst dein Projekt perfekt vorbereiten!“ ist alles andere als eine banale Aufforderung. Sie soll selbst erfahrene Projektmanager:innen daran erinnern, ganz genau hinzuschauen, präzise nachzufragen und den Verlauf des Projekts bis zum Abschluss durchzuspielen, noch bevor das erste Wort übersetzt wird.

Goldene Regel 1

Die erste und wichtigste Goldene Regel ist so offensichtlich, dass sie eigentlich keiner Erklärung bedarf. Wir wissen alle, dass Ergebnisse maßgeblich vom Input abhängen. Dennoch unterschätzen wir die Wichtigkeit dieser Erkenntnis oftmals sträflich.

Im alltäglichen Sprachgebrauch kommentieren wir die mangelhafte Beachtung dieser Regel mit der Feststellung: „Shit in, shit out!“ – manchmal begleitet von einem Lachen, manchmal von einem Schimpfwort.

Was ist passiert?

Das Endergebnis entspricht in irgendeiner Hinsicht nicht den Erwartungen. Solange wir darüber lachen können, ist es nicht so schlimm. Im anderen Fall kommen meist Nacharbeiten und Überstunden auf die Übersetzer:innen und uns zu (oder höhere Kosten auf die Kund:innen).

Ein interessanter Aspekt im Übersetzungsmanagement ist, dass keine zwei Übersetzungsprojekte identisch sind. Selbst wenn es auf den ersten Blick manchmal so scheinen mag und die Kund:innen keine besonderen Anforderungen gestellt haben: Oft verhält es sich anders. Meist, wenn man nicht damit rechnet.

Projektmanager:innen müssen die Gewohnheit entwickeln, das zu sehen, was nicht sichtbar ist, und diejenigen Informationen abzufragen, die die Kund:innen nicht mitgeteilt haben, weil sie ihnen womöglich nicht bewusst oder derart selbstverständlich sind, dass sie ihre Erfordernisse gar nicht erst benennen. Es kann sogar vorkommen, dass wir Bestellungen ohne Angabe der gewünschten Zielsprache erhalten: „Bitte übersetzen Sie den beigefügten Text!“ So viel dazu.

In der Regel verfügen unsere Projektmanager:innen, die ihren Stammkund:innen fest zugeordnet sind und somit die Anforderungen des Unternehmens genau kennen, bereits über alle Basisinformationen. Die eigentlichen Schwierigkeiten liegen meist verborgen.

Dateiformate und Konvertierungen

Der erste Schritt im Übersetzungsmanagement besteht in der rigorosen Prüfung der Ausgangsdatei, zum Beispiel:

  • Ist absolut klar, was übersetzt werden soll?
  • Sind alle Texte editierbar?
  • Ist der Kontext eindeutig?
  • Enthält der Ausgangstext mehrere Sprachen oder bereits übersetzte Teile?
  • Gibt es Textlängenbeschränkungen?
  • Sind eingebettete Daten vorhanden? Wie sollen sie behandelt werden?
  • Soll die Bedienoberfläche übersetzt werden oder bleibt sie in der Ausgangssprache?
  • Erscheint der Text im Übersetzungsprogramm sauber segmentiert und vollständig?
  • Kann es Schwierigkeiten bei der Konvertierung geben? (PDF, IDML, HTML, …)
  • usw. usf.

Die Hauptaufgabe besteht an diesem Punkt darin, dass den Übersetzer:innen eine Arbeitsdatei mit Anweisungen zur Verfügung gestellt wird, die keine Fragen offen lassen.

Qualität des Ausgangstexts

Bei der Prüfung des Ausgangstexts spielt natürlich auch dessen Qualität wichtige eine Rolle. Schwierigkeiten für Übersetzer:innen ergeben sich oft aus einer fremden (auch unternehmensspezifischen) Fachterminologie, aus grammatikalisch fehlerhaften oder unvollständigen Sätzen, umgangssprachlichen Wendungen und Texten, die Witze, Ironie, Wortspiele enthalten.

Hier geht es weniger darum, dass die Übersetzer:innen einen Sachverhalt nicht verstehen, als vielmehr darum, dass die Umsetzung in die Fremdsprache an den Rahmenbedingungen scheitern kann. Wenn der Ausgangstext zum Beispiel auf einem Wortspiel aufbaut und ein dazu passendes Bild zeigt, wird es bei der Anpassung in der Zielsprache mit ziemlicher Sicherheit Schwierigkeiten geben, die frühzeitig entschärft werden können.

Terminologie

Eine einheitliche Terminologie in sämtlichen Übersetzungen eines Unternehmens gehört zu den größten Herausforderungen und Ärgernissen im Übersetzungsmanagement. Deshalb haben wir hierfür auch eine eigene Regel (siehe Goldene Regel 2).

Es sei an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen, dass die Gewährleistung einer einheitlichen und konsistenten Terminologie zu den wichtigsten Aufgaben der Projektmanager:innen zählt. Sie müssen von Anfang an dafür sorgen, dass im Projekt die richtige Terminologie verwendet wird. Dafür fordern sie beim Kunden die bestehenden Glossare an und erkundigen sich nach einem Ansprechpartner zur zeitnahen Klärung möglicher Rückfragen. Die Pflege der im Projekt verwendeten Terminologie und die konsistente Verwendung der Fachbegriffe versteht sich von selbst.

Formatierung und Layout

Der Text der Übersetzungen ist meist länger oder kürzer als der Ausgangstext, selten exakt gleich. Während eine kürzere Textlänge meist keine Probleme bereitet, sieht es bei Texten, die in der Fremdsprache wesentlich länger werden, ganz anders aus.

Wurde das Layout des Ausgangsdokuments so gestaltet, dass nicht viel „Luft“ bleibt, ergeben sich im Zieldokument erhebliche Schwierigkeiten bei Umbrüchen oder zu knapp bemessenen Textfeldern. Als extrem ungünstig erweisen sich Absatz- und Zeilenumbrüche innerhalb von Sätzen oder auch Displaymeldungen mit einer begrenzten Zeichenanzahl, die vollständig ausgeschöpft wurde. Den Übersetzer:innen bleibt dann null Spielraum. Unter Umständen müssen sie sich für ungelenke Lösungen entscheiden.

Viele Dateien (meist PDF-Formate) verlangen eine Vorbereitung, damit das Übersetzungsergebnis ohne erforderliche Nacharbeiten „passt“. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn in viele Sprachen gleichzeitig übersetzt werden soll. Ein möglicher Nachbearbeitungsaufwand multipliziert sich mit der Anzahl der Sprachen.

Nachträgliche Änderungen

Wenig bewusst ist Auftraggeber:innen, dass nachträgliche Änderungen während eines laufenden Übersetzungsprojekts einen hohen Aufwand mit sich bringen. Projektmanager:innen sind daher gefordert, beim Kunden die definitive Version der Dokumente zu besorgen, bevor das Projekt zur Bearbeitung freigegeben wird – was auch im Sinne der Kund:innen ist, um höhere Kosten als veranschlagt zu vermeiden.

Verwendungszweck der Übersetzung

Der Zweck, zu dem die Übersetzung verwendet werden soll, ist den Kund:innen meist bekannt, den Projektmanager:innen (und den Übersetzer:innen) jedoch nicht unbedingt. Manche Kund:innen wünschen oft einfach „eine Übersetzung“.

Hier kann eine konkrete Angabe zum Verwendungszweck Zeit und Geld sparen oder auch die hohe Qualität sichern, die unausgesprochen gewünscht wird. Eine Übersetzung zu reinen Informationszwecken kann wesentlich schneller und preisgünstiger erstellt werden als ein Text, der marketingsprachliche Anpassungen an den Zielmarkt verlangt. Ebenso wird eine Pressemitteilung lieber einmal mehr als einmal zu wenig nachgelesen, und für Verträge, Bilanzen, Beipackzettel müssen zwingend die geeigneten Fachübersetzer:innen eingesetzt werden. Für geheime, streng vertrauliche Dokumente gelten wiederum andere Vorkehrungen.

Geographie und Zielgruppe

Viele Unternehmen sind international auf zahlreichen Märkten tätig und in Kontakt mit unterschiedlichen Zielgruppen: interne Stellen, verbundene Unternehmen, Endverbraucher:innen (B2C), Geschäftskund:innen (B2B), Lieferant:innen, Partner:innen und Investor:innen, Beratungsunternehmen, staatliche Stellen und Behörden usw., die unterschiedlich angesprochen werden müssen.

Dabei ist nicht nur der Stil relevant, sondern auch die geographische Weltregion, was durchaus eine Rolle spielt bei Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, aber ebenso bei Niederländisch (Niederlande / Belgien), Deutsch (Deutschland / Österreich / Schweiz / Luxemburg / Ostbelgien), Arabisch (Marokko / Ägypten / Saudi-Arabien), usw.

Referenzmaterial

Steht Referenzmaterial zur Verfügung? Gibt es Webseiten, bereits bestehende Übersetzungen, ergänzende Dokumentationen, eventuell sogar Material von Wettbewerbern, das berücksichtigt werden kann und soll? Je mehr Informationen den Übersetzer:innen vorliegen, desto besser wird das Ergebnis der Übersetzungsarbeit ausfallen.

Die Goldene Regel 1 „Du sollst dein Projekt perfekt vorbereiten!“ ist alles andere als eine banale Aufforderung. Sie soll selbst erfahrene Projektmanager:innen daran erinnern, ganz genau hinzuschauen, präzise nachzufragen und den Verlauf des Projekts bis zum Abschluss durchzuspielen, noch bevor das erste Wort übersetzt wird.

 

Du möchtest mehr über das innovative Übersetzungsmanagement erfahren, das DIE ÜBERSETZUNGSAGENTUR zu einem der führenden Sprachendienstleister macht?

Hier in unserem INFOCENTER findest du eine Vielzahl von Beiträgen, die dir das Leben leichter machen.

Du kannst aber auch ganz einfach ein MEETING mit Christian Faust buchen und persönlich mit ihm besprechen, welche Lösungen er dir für deine spezifischen Erfordernisse vorschlägt.

Vereinbare jetzt ein Meeting mit Christian Faust.

Weitere Beiträge

Christian Faust

Fachübersetzer

Christian ist staatlich geprüfter Fachübersetzer und seit über 30 Jahren freiberuflich in der Übersetzungsbranche tätig.

Zu seinen Kunden zählen namhafte Industrieunternehmen, die auf sein Know-how und seine Erfahrung bauen.

Sein Steckenpferd ist die Umsetzung von Innovationen in Vorteile für seine Kunden. Deshalb hat er LoLa, MAeX®️ & CO entwickelt.

Besonders gerne hört er in Beratungsgesprächen den Satz: „Das machen wir immer so!“ 😅

Fachübersetzungen sind Vertrauenssache. Know-how, Erfahrung und Innovation machen den Unterschied. Es geht darum, was du wirklich brauchst.

Ich freue mich auf unser Gespräch.

Fachübersetzungen sind Vertrauenssache. Know-how, Erfahrung und Innovation machen den Unterschied. Es geht darum, was du wirklich brauchst.

Was hältst du von einem Meeting, um deine besonderen Erfordernisse zu besprechen? Das Meeting mit mir vereinbarst du ganz einfach über den Button.

Ich freue mich auf unser Gespräch.

Mehr Know-how
Unser Team

Wir sind immer für dich da. Persönlich und zuverlässig wie die Kolleg:innen im Büro nebenan. Nur ohne Auszeiten und mit skalierbaren Ressourcen. Mit anderen Worten: "Wie inhouse, nur besser."

Mehr endecken